Couchsurfing in Qazvin: Die zwei Leben der Iraner

Sitzt mein Kopftuch richtig? Wie schaffe ich es in einer Menschenmenge keinem Mann in die Augen zu schauen? Wieso schauen mich die Leute auf der Straße an? Mit all diesen Fragen im Kopf stehen wir vor der Tür unserer Couchsurfing Gastgeber.

Und dann geht die Tür auf, ein freundliches Gesicht mit knallrotem Lippenstift und einer blauen Kurzhaarfrisur lacht uns entgegen. Es gehört Romina, der Frau unseres Couchsurfinghosts. Wir fühlen uns bei ihr, ihrem Mann Eshan und ihrem kleinen Sohn Radwin sofort wie zuhause. Tee wird gekocht, gelacht, über Gott und die Welt gesprochen und unser mitgebrachtes Spiel Halligalli gespielt.

Ein paar Stunden später kommen wir auf einer Geburtstagsfeier an. Die Frauen verschwinden sofort im Schlafzimmer, ziehen ihre langen Mäntel und Kopftücher aus und glitzernde, dekoltierte Minikleider kommen zum Vorschein. Empört stellen sie fest, dass ich nichts Luftigeres dabei habe. Das muss furchtbar unbequem sein und ist viel zu konservativ! Doch die Gastgeberin hat einen gut gefüllten Schrank voller Kleider und Oberteile in meiner Größe. Also schlüpfe ich in ein ärmelloses Top und alle Frauen applaudieren: „Much better!“

Die Party kann beginnen. Würden wir auf einer deutschen Party einen Fremden genau so herzlich empfangen? Jeder möchte uns begrüßen und mit uns reden. Es gibt Wodka und Whisky, die Musik wird laut aufgedreht und bald tanzen Männer und Frauen ausgelassen zusammen. Nach islamischem Recht alles verboten.

Immer wieder hören wir von den zwei Leben der Iraner. In dem einen müssen sie die Fassade wahren und sich an die Gesetze des Regimes halten. Hinter verschlossenen Türen und den stets verschlossenen Vorhängen jedoch feiern sie jedes bisschen Freiheit.

 

 

3 Kommentare zu „Couchsurfing in Qazvin: Die zwei Leben der Iraner

  1. Hey ihr zwei,
    das schaut ja alles sehr toll und beeindruckend aus! Wer will da schon nach Rimini oder Bibione? 🙂 Lasst es euch gut gehen! Und fleißig weiter beri hte, wir reisen gedanklich mit! Lg Moni& Tobi p.s. Dani, das Kopftuch steht dir und Moritz, du fällst sowieso ned auf… 🙂

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  2. Huh ihr zwei. Das liest sich alles sehr schön und wir freuen uns dass euer Anfang gut gelungen ist. Und an essen mangelt es schon mal nicht:)
    Herzliche Grüße aus der oberpfalz
    Martina und Robi und M und F
    P.s. Dani nach 2 Monaten Iran hast wahrscheinlich auch ein glitzerkleid. Nimmt auch nicht viel platz weg;-)

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