Auf Wiedersehen Iran!

Eigentlich wollte ich jetzt am Ende unserer Reise durch Iran etwas über die Menschen im schreiben.

Aber wenn wir eines gelernt haben, dann dass es keine einfachen Wahrheiten gibt.

Wir haben lustige, lebensfrohe Menschen getroffen, die jede noch so kleine Freiheit feiern. Wir haben in traurige, resignierte aber auch wütende Gesichter geblickt, die uns erzählten, wie schrecklich sie dieses Land finden und wie gerne sie frei wären. Vielen haben wir die Frage gestellt, ob sie daran glauben, dass dieser Wunsch irgendwann Wirklichkeit würde. „Nein. Niemals. Sie haben einfach auf uns geschossen!“, hören wir erstickte Stimmen sagen, „auf die Kinder ihres Landes!“

Andere jedoch sind sich sicher, dass Schritt für Schritt eine Öffnung aus dem Land selbst heraus möglich ist.

Wir unterhielten uns mit Menschen, die auf den Demonstrationen der „Grünen Revolution“ verprügelt wurden. Trafen einen Mann, dessen Vater der Partei Mir Hossein Mussawis angehört und der deshalb inhaftiert wurde, nun, da Rohani Präsident ist, sich aber wieder politisch engagieren kann.

Wir verbrachten mehrere Tage mit einem jungen Mann, der Ahmadinedschad gewählt hat und diskutierten mit ihm stundenlang. Wir hörten fassungslos, dass die Stabilität des Gesellschaftssystems in Gefahr wäre, wenn Frauen kein Kopftuch trügen und dass Sexualerziehung bei Kindern zu ungezügelter Moral schon bei den Kleinsten führen würde. Es war seltsam wie freundlich und hilfsbereit er zu uns war, denn uns trennten Welten.

Wir erfuhren, wie es ist, wenn es kaum unabhängige Presse gibt und man auf Informationen aus sozialen Medien angewiesen ist. Uns wurde klar, wie wichtig es ist, dass man lernt, die Seriosität von Informationsquellen zu beurteilen und nicht in der Schule mit Verboten und Höllenszenarien klein gehalten zu werden.

Am eigenen Leib spürten wir, wie weh Vorurteile tuen, als uns das Essen mit einem Hitlergruß serviert wurde oder wenn Menschen überrascht feststellten, dass wir als Deutsche ja doch herzlich sind und lachen. Als Reisende sind wir immer Botschafter unseres Landes. Als ich einer alten Dame meinen Platz im Bus anbot und ihr anschließend beim Aussteigen half, wollte der halbe Bus wissen, aus welchem Land ich komme.

Wir lernten glückliche Ehepaare kennen und trafen andere, deren Liebe ein Tabu ist und die in zwei Leben gefangen sind oder solche, die sich vor der Hochzeit kaum kannten.

Wir trafen religiöse Menschen, die in ihrem Glauben ruhten. Andere lehnten jede Religion ab und sahen darin die Wurzel aller Probleme. Sie träumten von einer Welt ohne jede Ideologie und einem friedlichen Miteinander.

Wir trafen uneingeschränkte Shahanhänger und erfuhren von anderen von dessen Verbrechen gegen die Menschenrechte.

Wir sahen Gesichter mit operierten Nasen und dicken Makeupschichten und hörten sie dabei Gedichte rezitieren.

Ich lernte, dass ich vielen religiösen Männern nicht die Hand geben kann. Andererseits lachte ich mit einem Mullah und umarmte zum Abschied in aller Öffentlichkeit neu gewonnene Freunde. Ich erfuhr, dass ich iranischen Männern in die Augen sehen und ganz normal mit ihnen sprechen kann. Vor unserer Reise hatte ich gelesen, dass Frauen in Iran vor allem im Gedränge der Metro oder des Basars begrapscht würden. Mir ist das kein einziges Mal passiert. Auch sonst fühlte ich mich als Frau niemals bedrängt.

Mit dem Tschador allerdings, den man in manchen heiligen Stätten tragen muss, konnte ich mich bis zum Schluss nicht arrangieren.

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Wir lernten, dass unter dem Shah das Tragen des Kopftuches verboten war, während seit der islamischen Revolution der Hijab per Gesetz Pflicht ist. Wie soll man da entscheiden, was besser ist?

Es passierte uns, dass uns überteuerte Dinge angedreht wurden oder wir für Taxifahrten horrende Summen zahlen sollten. An allen Sehenswürdigkeiten zahlen Ausländer bis zu zwanzigmal mehr als Iraner. Andererseits wurde uns ständig verwehrt, für etwas zu bezahlen und viele Wohnungen wurden selbstverständlich für uns geöffnet und mit uns geteilt.

Danke Iran, wir werden wiederkommen!

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3 Kommentare zu „Auf Wiedersehen Iran!

    1. Ich schliesse mich Deiner Meinung an! Interessant insbesonders die kulturellen Unterschiede Iran-Deutschland und wie intensiv wir deutsch denken!

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