Bhuj – das Textilparadies

Bhuj ist die Hauptstadt von Kutch in Gujarat. Wir wohnen in einem wunderbaren Haus mit Innenhof – eine grüne, ruhige Oase, an der der Verkehr vorbei rauscht. Die Stadt Bhuj hat keine wirklichen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Spannend ist aber die Angehörigen der vielen verschiedenen Stämme, die hier in der Gegend leben, in ihren wunderschönen Trachten zu sehen. Immer noch allgegenwärtig ist das schreckliche Erdbeben 2001. Viele erzählen uns, was sie gemacht haben, als die Erde plötzlich bebte und wie sie danach monatelang in Zelten lebten.

Zwei Tage lang besuchen wir verschiedene Handwerkerdörfer. Vor allem Textilen werden hier in Handarbeit hergestellt. Wir fahren kilometerlang an Baumwollfeldern vorbei und sehen, wie die Baumwolle gesponnen, gewebt und gefärbt wird. Danach werden viele Stoffe mit Pflanzenfarben bedruckt oder fein bestickt. Es ist unglaublich viel Arbeit nötig, bis man ein fertiges Kleidungsstück in den Händen hält. Es rührt mich sehr an, wie so in einer unwirtlichen und harten Lebenswelt aus jedem Alltagsgegenstand ein Kunstwerk wird. Besonders beeindruckt uns Dr. Ismail Mohammed Katri. Seit Generationen arbeitet seine Familie als Blockdrucker. Eine Studentin aus England schrieb ihre Doktorarbeit über sein Handwerk. Von seiner Kunst beeindruckt, lud ihn die Universität nach Europa ein und überreichte ihm die Ehrendoktorwürde. Designer aus der ganzen Welt kommen nun zu ihm, um von ihm zu lernen.

Den Abend verbringen wir im Salzsumpf Great Rann of Kutch zwischen Pakistan und Indien. Früher er eine Bucht des Arabischen Meeres. Durch Hebung des Bodens wurde sie vom Ozean abgeschnitten und es entstand ein riesiger Salzsee, der in der Antike noch befahrbar war. Auch heute ist das Wasser während der Regenzeit hier ca. 50 cm tief. In der Trockenzeit kann man über das Salz spazieren und natürlich Fotos machen.

Anschließend fahren wir mit dem Bus nach Mandvi und treffen uns dort mit Jeetendra, einem Couchsurfer. Wir fahren zu dritt auf seinem Motorrad durch die Stadt und an den Strand, trinken Kokosnusswasser und reden stundenlang. Er zeigt uns seine tollen Fotos und erzählt uns von seinem großen Traum, den er nächstes Jahr endlich erfüllen wird, ein Jahr lang mit einer Nomadenfamilie zu leben. Er lädt uns ein, ein oder zwei Wochen mit ihnen zu reisen. Das klingt spannend und so vergeht die Zeit wie im Flug.

3 Kommentare zu „Bhuj – das Textilparadies

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