Nachhause kommen in Taiwan

Nach Indien ist Taiwan wie nachhause kommen, in den frisch gewaschenen Schlafanzug schlüpfen, sich die Bettdecke bis zur Nase hochziehen und im Kissen versinken. Alles ist wunderbar einfach. Sobald man auf eine Karte schaut oder einen fragenden Gesichtsausdruck aufsetzt kommt einem jemand zuhilfe. Auch ohne chinesisch kommt man überraschend gut durch. Bedienungen zeigen uns sämtliche Zutaten um uns das Bestellen zu erleichtern und die Taxifahrer rufen englischsprachige Freunde an oder suchen im Internet und stellen das Taxameter erst an, wenn sie sich hunderprozentig sicher sind, wohin sie fahren müssen. Die Stadt ist blitzblank sauber, der öffentliche Verkehr läuft wie geschmiert und die Leute stellen sich ordentlich in Reihen auf und halten genügend Abstand zu den anderen. Man fühlt sich wie von strahlend weißen Traumwesen umgeben. Ältere Männer tragen ihre kleinen Schmusehunde spazieren, Kinder sind als rosa Häschen verkleidet und Frauen als Schulmädchen. Es regnet viel, aber immer so als würde jemand seinen Bonsai mit einem leichten Sprühnebel wässern. Die ganze Stadt ist sonderbar leise. Die Menschen unterhalten sich mit ruhigen Stimmen und fast geräuschlos gleiten die Elektroroller Gogoro vorbei. In ein paar Schritten ist man gerade noch in der Stadt schon im Dschungel auf dem Weg zum Gipfel des Tiger- oder des Elephantmountain. Wird es einem zu kalt, fährt man zu einer der vielen heißen Quellen, die es auf der Insel gibt oder trinkt einen Oolongtee. Es gibt tausende Restaurants und Essensstände, an denen man Tag und Nacht köstliche (zugegeben wenig vegetarierfreundliche) Gerichte bekommt. An den ausgefalleneren Zutaten wie Hühnerfüßen und gestocktem Entenblut (schmeckt erstaunlich gut!) kommt man leicht vorbei. Das einzige was die Idylle stört ist der allgegenwärtige Geruch des Stinkytofu.

Mit dem Zug fahren wir nach Hualien, von wo aus man mit dem Roller vom Strand bis auf 3000 m Höhe durch die spektakuläre Tarokoschlucht fahren kann. (Moritz denkt bereits über den Kauf eines Rollers für zuhause nach!)

Für uns das Schönste aber ist, nach fünf Monaten Tom wieder zu sehen und Anja besser kennen zu lernen. Am ersten Abend feiern wir so ausgelassen, dass wir um fünf Uhr morgens beinahe nicht mehr in unsere Wohnung finden.

 

Ein Kommentar zu “Nachhause kommen in Taiwan

  1. Als treue Leserin eures Reisetagebuchs muss ich euch danken für eure tollen Erzählungen und Bilder. Und a bisserl neidisch bin ich scho a! Liebe Ostergrüße aus dem Chiemgau, Maria.

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