Japanisches Essen: wir betreten eine neue Welt

Bisher hatten wir das Gefühl, dass viel Olivenöl oder Butter und intensive Aromen wie Knoblauch, balanciert mit Säure und Süße ein gutes Essen ausmachen. In Japan aber lernen wir eine ganz andere Küche kennen. Leicht, trotzdem perfekt harmonisch und umami schmecken viele Gerichte. Fisch schmeckt einfach nach Fisch und Gemüse nach Gemüse. Uns fällt erst hier auf, wie fettig wir zuhause oft essen und wie träge wir uns danach fühlen. Das passiert in Japan höchstens nach einer großen Schüssel Ramen, einer gehaltvollen Nudelsuppe.

Wir geniesen besonders wie in Japan Essen und Trinken wertgeschätzt werden. Niemals würde man während des Gehens essen. Dafür ist es viel zu wichtig.

In Kyoto nehmen wir an einer traditionellen Teezeremonie teil. Jeder Handgriff ist perfekt. Trotzdem kommt keine Routine auf. Immer wieder hält die Zeremonienmeisterin inne, schaut sich die Gegenstände genau an. Es ist ganz leise, niemand spricht und wir lauschen dem Rauschen des Wassers, das in die Teeschalen gegossen wird und dem Geräusch das durch das Rühren des Tees entsteht. Bevor man trinkt betrachtet man ausführlich die Teeschale, die der Gastgeber für einen persönlich ausgewählt hat.

Auch beim Kaiseki, einem traditionellen mehrgängigen Menü, das wir an einer Art Bar, dem Koch gegenüber sitzend einnehmen, spüren wir diese Wertschätzung. Ich bekomme ein Stück zwölf Tage gereiften Fisch in einer 800 Jahre alten Schale serviert. Ehrfürchtig halte ich sie in den Händen und sehe dem Koch zu wie er langsam und konzentriert jedes einzelne Stück Fisch hauchdünn schneidet.
Zum Essen trinken wir Sake und dürfen uns aus einer Sammlung verschiedener handgemachter Gefäße eines aussuchen, aus dem wir trinken möchten.
Am Ende der vielen Gänge wird auch hier mit einer Verbeugung eine frische Schale Matcha gereicht.

Nach Soba, Buchweizennudeln, die man entweder kalt oder warm mit Suppe isst, bekommt man zum Abschluss einen Becher mit Kochwasser der Nudeln, den man genüsslich schlürft.

Apropos Schlürfen: vor allem bei Nudelgerichten gehört das in Japan dazu. In kleinen Ramenbars staunen wir anfangs nicht schlecht, wenn die Geschäftsleute eine dampfend heiße Schüssel in fünf Minuten wegschlürfen. Am Ende hat sich Moritz so gut assimiliert, dass sich ein französisches Paar pikiert an einen anderen Tisch setzt, weil er so geräuschvoll isst.

Dann probieren wir sogar das legendäre Kobefleisch. Dass die Rinder bei klassicher Musik massiert werden, stimmt wohl nicht. Was aber stimmt ist, dass das Fleisch nicht zu vergleichen ist, mit irgendeinem anderen, das wir jemals gegessen haben.

 

2 Kommentare zu „Japanisches Essen: wir betreten eine neue Welt

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